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Wie berge ich eine über Bord gefallene Person?

Eine über Bord gefallene Person zu bergen ist eine der schwierigsten Phasen im Verlauf des MOB-Manövers. Eine Person mit wassergetränkter Kleidung wiegt etwa 100 kg und ist aus dem Wasser an Bord zu heben, auf einer Segelyacht etwa anderthalb Meter hoch, auf einem großen Schiff mehrere Meter. Seegang, Wind und Panik erschweren die Aufgabe zusätzlich. Bei Unterkühlung darf die Bergung ausschließlich horizontal erfolgen.

 

 

Bergung einer Person über Bord  mit der Jolle

Bergung auf der Luvseite oder über das Heck.

 

 

Bergung einer Person über Bord mit der Segelyacht

Bergung in Lee. Bergung beigedreht. Die Bergung einer über Bord gefallenen Person (MOB) sollte immer beigedreht auf der Leeseite erfolgen. Das Schiff bewegt sich durch den Winddruck auf das Opfer zu und dieses bleibt dadurch nahe an der Bordwand. Die Bordwand ist auf der Leeseite deutlich niedriger und leichter zu überwinden. In Lee ist die See deutlich ruhiger. Beim beigedrehten Schiff liegt der (mit Schot und Bullenstander festgesetzte) Großbaum als „Kranarm“ in Lee stabil auf der richtigen Seite. Es kann auch das Spi – Fall benutzt werden und über eine Winsch geborgen werden. Durch das Beidrehen bildet das Schiff eine stabile Plattform, sowohl beim Münchner-Manöver, als auch beim Quickstop, die die notwendige Voraussetzung für ordentliches Arbeiten bei der Bergung des Opfers bietet. Segel und Schoten sind dabei fixiert.

 

 

Bergung einer Person über Bord mit der Motoryacht

Bergung immer an der Leeseite. Das Schiff bewegt sich durch den Winddruck auf das Opfer zu und dieses bleibt dadurch nahe an der Bordwand. Die Bordwand ist auf der Leeseite niedriger und leichter zu überwinden. In Lee ist die See deutlich ruhiger.

 

 

Immer wieder gehörte Wiedersprüche bei der MOB Bergung

 In der Sportschifffahrt wird immer wieder diskutiert, ob eine Person in Lee oder Luv geborgen werden soll. In der Praxis gilt: auf der Yacht immer in Lee, auf der Jolle in Luv oder am Heck. Bergung auf der Luvseite: Pro: geringere Gefährdung der Retter durch  schlagende Segel und Schoten. Contra: das Schiff bewegt sich durch den Winddruck vom zu Rettenden weg. Bergung auf der Leeseite: Pro: die Bordwand ist auf der Leeseite niedriger, da das Schiff durch Winddruck immer schräg liegt. Contra: das Schiff kann sich über den zu Rettenden schieben und ihn verletzen.

 

 

Bergung mit dem Flaschenzug

Die Bergung ist immer schwierig, insbesondere bei einem bewusstlosen Opfer oder kleiner Besatzung. Oft sterben Überbordgefallene an Ertrinken oder Unterkühlung, weil die Bergung nicht gelingt. In den meisten Fällen kann das Opfer nur mit einem Flaschenzug (Talje) oder hilfsweise mit einer Leine und Winsch uns Spi-Fall oder über die Baumnock am fixierten Großbaum geborgen werden. Bei bewegter See und viel Wind ist es in der Praxis allerdings immer schwierig, lange genug direkt neben dem Schwimmer zu verweilen, ohne abzutreiben. Ohne sichere Leinenverbindung zum Opfer ist das Manöver dann erfolglos. Eine Bergung von Hand ist meist unmöglich. Dafür ist die Bordwand zu hoch und das Opfer viel zu schwer . Eine Bergung über die Badeplattform ist schon bei mittlerem Seegang nicht möglich, da das Schiff in den Wellen stampft und das Opfer vom Heck erschlagen werden kann.

 

 

Horizontalbergung bei Unterkühlung der über Bord gefallenen Person

Bei Unterkühlung darf eine Bergung ausschließlich horizontal erfolgen. Das Blut in den Gliedmaßen ist stark gekühlt und jede Bewegung des Opfers würde dieses in die lebenswichtigen Organe spülen und zum sofortigen Tod führen. Das gilt auch für eine Drehung in die Senkrechte. Je nach Wassertemperatur kann die Unterkühlung im Wasser schon nach wenigen Minuten auftreten. Unterkühlte sind immer mit einer Doppelbergeschlaufe waagrecht zu bergen.